Echte Elternzeit
Afterbabybody

Afterbabybody

Bikinibody?

Nein mir geht es nicht um Beautysorgen oder die Definition von Bikinibody. Zumal letzteres einfach ist: Schritt 1 Zieh einen Bikini auf deinen Body – Fertig.

Sportlicher Totalausfall

Schon in Gythio versuchte ich das erste Mal wieder aufs Surfbrett zu kommen. Ich scheiterte so unfassbar kläglich, dass die GoPro ganze 30 Minuten aufzeichnete, in denen ich wie ein Droschkenkutscher den ganzen verdammten Strand zusammenfluchte und schwor mein ganzes Equipement dem nächst Besten zu schenken.

 

Mein Körper hat mich brachial an was erinnert: Schwangerschaft ist krass, Afterbabybody ist krasser!

 

Absurde Erwartungen

Mit etwas Abstand dachte ich nach was da eigentlich in meinem Kopf schiefgelaufen war. Warum hatte ich ein anderes Ergebnis von mir erwartet?

 

Der weibliche Körper bekommt bei diesem ganzen Fortpflanzungsding eine Menge ab und die Frage sollte lauten, warum das eigentlich immer so leichthin abgetan wird? „Du bist ja nicht krank sondern nur Schwanger!“ Was für einen Hass habe ich auf diesen Satz entwickelt. Ganz ehrlich, jeder Mann der diesen Quatsch plappert, sollte ein großes Glas Salzwasser trinken, sich 15 Packungen Mehl vor den Bauch binden, sich ein paar Steinchen in zu kleine Schuhe werfen und dann einfach mal einen normalen Tag so zubringen. Will sehen wer das dann nochmal wiederholt. Aber okay, Männer wissen es vielleicht nicht besser.

 

Noch mehr frage ich mich allerdings was manche Frauen eigentlich beweisen wollen wenn sie selber sagen „Ich bin ja nicht krank sondern nur schwanger“ und zum Beispiel darauf bestehen Flugstunts zu machen, anstatt sich über Mutterschutzgesetze zu freuen. Mir scheint ein Wettbewerb ausgebrochen zu sein, wer in der Schwangerschaft am längsten und härtesten arbeitet und danach am schnellsten wieder ganz genau wie zuvor funktioniert. Irgendwann mal fand ich das total bewundernswert. Inzwischen denke ich anders. Sind wir nach Germanys Next Hungerkünstler jetzt bei Germanys toughest Hardcoremom gelandet?

Toxische Männlichkeit jetzt für alle!?

Fast könnte man meinen mancher versteht unter Gleichstellung, dass Frauen die Mechanismen der toxischen Männlichkeit übernehmen. Ganz kurz für Einsteiger im Feminismus: toxische Männlichkeit meint die negativen Auswirkungen, die das Rollenstereotyp des immer starken Mannes mit sich bringt. Männer reden weniger über Gefühle,  gehen mehr Risiken ein und betreiben weniger Gesundheitsfürsorge, mit der Folge einer signifikant geringeren Lebenserwartung als Frauen. Eigentlich will Feminismus diese Rollenstereotype beseitigen, statt dessen scheinen manche Frauen nun beweisen zu wollen, dass sie gegenüber sich selbst genauso ungesund hart sein können.

 

Ich bin überzeugte Feministin und ganz sicher dabei keine Rosinenpickerin aber ich finde gleiches soll gleich behandelt werden und ungleiches ungleich. Menschen ungleich zu behandeln weil sie unterschiedliche (egal ob dauerhaft oder vorübergehend) Möglichkeiten haben, darf natürlich nicht diskriminierend sein.  Ein schmaler Grat, der zum Beispiel Menschen mit Behinderung oder Senioren wohl ähnlich betrifft und jeden Tag neu balanciert werden muss. Ich werde jetzt ganz sicher nicht behaupten die genauen Grenzen und Lösungen dafür zu haben. Mindestens aber brauchen Rollstuhlfahrer Rampen, Senioren größere Schrift auf Etiketten und Schwangere einen Sitzplatz in der Bahn. Ich sehe jetzt nicht, das etwas davon ein geringes Gehalt oder so begründet.

Fortpflanzung ist echt anstrengend

Fakt ist, es ist total ätzend, dass die Natur den anstrengenden Teil der Fortpflanzung allein den Frauen zugeschoben hat. Nützt aber nix sich darüber zu ärgern und genau wenig nützt es so tun als wäre es anders. In der Schwangerschaft ist es okay nicht voll auf der Höhe zu sein! Es ist okay ein Level runterzuschalten. Es ist gut nach der Geburt eine Pause einzulegen und es ist angemessen danach Zeit zu brauchen wieder auf altes Niveau zu kommen. Der Körper braucht das, er verlangt das und er hat das verdient.

 

Frauen sollten dazu stehen, dass es anstrengend ist ein Kind zu bekommen. Das ist kein Jammern, das ist Realität. Frauen sollten auch dazu stehen, dass es noch anstrengender ist, mit dem Baby auf dem Arm wieder zu alter Form zu kommen. Sie dürfen die Rücksichtnahme ihrer Mitmenschen erwarten. Vielleicht ist der erste nötige Schritt dazu, dafür Akzeptanz zu schaffen und sicher zu stellen, dass dies nicht zu Diskriminierung führt. Schwangeren und Müttern eine gewisse Schonzeit zuzugestehen, darf kein Vorwand sein, sie von beruflicher Weiterentwicklung abzuhalten oder gar sie gehaltlich schlechter zu stellen. Wahrscheinlich ein Henne-Ei-Problem. Ganz sicher ein weites Feld und heute will ich nicht das ganze Feld bestellen.

 

Heute möchte ich den Anfang machen und vor allem mir selbst meine Schwäche eingestehen:

Ich bin beim ersten Surfen nach der Babypause gnadenlos auf dem Gesicht gelandet, weil die Schwangerschaft mich Muskeln, Kondition und Balance gekostet hat. Das ist normal. Ganze sieben Monate ist mein Sohn jetzt alt, ich habe die volle Unterstützung meines Mannes und ich bin trotzdem noch nicht wieder so fit wie vorher. Ja, das frustriert mich. Nein, ich werfe mir keine mangelnde Disziplin vor. Sicher gibt es Frauen bei denen das besser lief. Genauso sicher lief es bei vielen anderen noch viel beschwerlicher. Ich habe ein Kind im die Welt gesetzt und sorge seit sieben Monaten dafür, dass es jeden Tag glücklich ist.

Trotzdem weitermachen

Heute habe ich mich endlich von meiner Kopfblockade frei gemacht und habe es nochmal versucht. Es lief schon viel besser, also nur noch so Mittelscheiße und ich bin echt stolz auf mich. Morgen gehe ich wieder aufs Brett und irgendwann werde ich wieder übers Meer fliegen und mein nasses Haar wird in mein grinsendes Gesicht flattern.

 

Falls das hier Kollegen lesen: keine Sorge, meine Auszeit ist lang genug. Bis ich wieder bei euch bin, ist die alte Kick-Ass-Antreiberin wieder wie ihr sie kennt 🙂

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