Echte Elternzeit
Alltag auf Elternzeitreise

Alltag auf Elternzeitreise

Kritik an Elternzeitreisen

Vor einiger Zeit gab es in einer Frauenzeitschrift mal einen Artikel über Väter in Elternzeit, die diese Zeit reisend verbringen. Die Verfasserin echauffierte sich darüber, dass ihrer Ansicht nach diese Väter ja gar nicht wirklich den Alltag mit Kind erleben und somit immer noch nicht verstünden was es an Arbeit bedeutet. Im Artikel wird nicht klar was die Schreiberin von reisenden Müttern hält aber ich fühle mich mal einfach „mitgemeint“. Ist ja in der deutschen Sprache seit Jahrhunderten so üblich (den kleinen Sidekick gegen diese sexistische Urteilsbergündung konnte ich einfach nicht auslassen).

Ich möchte jenen die Elternzeitreisen ähnlich kritisch sehen, mal einen Einblick geben, der auf Instagram und Co. eher nicht sichtbar wird:

Egal wie weit man reist, der nervige Teil der Haus- und Familienarbeit kommt mit!

Unfassbar aber Babys und sogar auch deren Eltern wollen unterwegs genauso essen wie zu Hause. Deswegen verfügt unser Wohnmobil über eine Küche. Diese Küche muss übrigens nach dem Kochen wieder gereinigt werden. Eine Putzfee konnten wir leider an Bord nicht mehr unterbringen. Nach dem Essen müssen die Spuren der Schlacht am Kind, welches das mit dem Löffel noch nicht so drauf hat, sowie am Löffelhalter beseitigt werden. Dies mündet mittelfristig in Wäschebergen, die genau wie Geschirrberge nicht von allein kleiner werden. Ebenfalls nicht an Bord ist übrigens eine Waschmaschine. Statt dessen schleppt man also diese Berge zu Waschmaschinen auf Campingplätzen und trocknet danach Shirts, Bodys und auch die eigene Unterwäsche ziemlich öffentlich vor der Campertür. Wenn ein Sturm kommt und man die Wäscheklammern aus Bequemlichkeit weggelassen hat, darf man seine Schlüppis danach bei den Nachbarn einsammeln. Was solls Camper sind ja eine einzige große Familie.

Letztlich darf man einen normalen Urlaub nicht mit einer längeren Reise verwechseln. Klar in zwei oder drei Wochen kommt man mal ohne Waschmaschine aus und für so einen Zeitraum ist auch mal Essen gehen statt kochen drin. Eine Reise darüber hinaus, selbst wenn es „nur“ die oft genommenen zwei Monate sind, kommt nicht ohne das bischen Haushalt aus und der macht sich auch unterwegs nicht von allein.

Auch ansonsten schränkt so ein Baby seine Bedürfnisse auf Reisen kein Stück ein. Es will manchmal nicht schlafen und bitte statt dessen unterhalten werden. Oder es will schlafen aber nur auf Papas Bauch während der sich gefälligst keinen Millimeter bewegt. Es will alle naselang was trinken oder essen oder anfassen oder in den Mund nehmen oder sitzen oder stehen und auf jeden Fall getröstet werden wenn irgendwas davon nicht so klappt. Windeln müssen unserer Erfahrung nach Zuhause wie unterwegs genauso häufig gewechselt werden. Die sogenannte Carearbeit ist also wirklich exakt die gleiche wie daheim.

Partnerschaftliche Arbeitsteilung ist nicht Frage des Ortes sondern der Einstellung

Ob der Papa jetzt seinen Anteil daran nimmt oder sich bequem zurück lehnt, ist keine Frage des Ortes sondern der Einstellung. Wenn die Eltern ihre Partnerschaft oldschool definieren, wird Mutti überall die Arbeit allein am Hacken haben. Wenn Partnerschaft eher so partnerschaftlich definiert wird, werden beide überall ihren Teil beitragen. Ich für meinen Teil würde ja spontan allein mit Sohnemann weiterreisen wenn der Mann sich fürs Wickeln zu männlich fühlen würde. Dafür sehe ich es durchaus auch als meine Aufgabe als Mutter an, meinem Sohn beizubringen wie er selber für sich kocht, seinen Kram aufräumt und sauber hält und, wenn er das will, irgendwann selber ein Kind versorgt. Sein Dad macht ihm das heute vor und so habe ich Hoffnung , dass die nächste Generation sich ein bischen weniger über ungleich verteilte Haus- und Familienarbeit aufregen muss.

 

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3 thoughts on “Alltag auf Elternzeitreise”

  1. Der Beitrag ist locker und gut geschieben. Wer sich nicht von vorne herein Gedanken macht und kleine klaren Absprachen trifft ist zum scheitern verurteilt. Doch auf einer so langen Reise kann eine Partnerschaft zusammen wachsen und langfristig gedeihen. Mir wüschen viel Erfolg.
    Endschuldigt vereinzelte Fehler, doch nach kürzlichem Apoplex klappt noch nicht alles wieder wie es soll, mir mir. 🙁

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