Echte Elternzeit
Athen mit Baby

Athen mit Baby

Athens Umland

Ich hatte mich sehr auf Athen gefreut. Zum einen weil ich natürlich die Akropolis und all die historischen Anlagen sehen wollte, zum anderen weil mir nach zwei Monaten Strandleben ein wenig Urbanität fehlte. Stadtkind eben.

Der Plan war ein Campingplatz im Vorort Rafina und von dort aus Ausflüge in die Stadt. Leider erwies sich der im Internet so wunderschöne Campingplatz als eher grottig, so dass wir direkt die nächsten Plätze ansteuerten. Daraus wurde eine Odysee der Enttäuschungen. Im Vergleich zu den wundervollen Plätzen auf dem Peloponnes, sind die Plätz um Athen herum vernachlässigt bis grenzwertig. Man hat die Wahl zwischen Schrottautos zu campen, auf einem komplett nacktem Platz zu stehen, dessen Vorteil die Aussicht auf das von dort unnerreichbare Meer besteht oder in der Nähe eines Strandes, der von wilden Hunden als Revier betrachtet, wird zu stehen. Keine Plätze auf denen wir länger verweilen wollten. Dann doch lieber zu Camping Athen. Ein schlichter aber anständig in Schuss gehaltener Platz, der sich direkt in der Stadt befindet und an den öffentlichen Nahverkehr angebunden ist.

 

Historisches Athen

Um die Zeit die uns Zwergis Geduld für Tagesausflüge gibt optimal auszunutzen, gönnten wir uns für den Weg zur Akropolis ein Taxi. Zu dritt mit 10 Euro nicht allzuviel teurer als Bus und Bahn und 30 Minuten gespart. Als wir uns dem Hügel näherten kamen wir an etwa 40 geparkten Reisebussen vorbei. War wohl nix mit früher Vogel und unter der Woche wirds schon nicht so voll. Der Fussweg vom Parkplatz ist mit Kinderwagen machbar, man gelangt genau bis zum Ticket- und Erfrischungsstand. Am Erfrischungsstand gibt es kein normales Wasser, sondern nur Limonade für 4,50€ für 0,2l. Unbedingt Wasser mitnehmen!

Akropolis nicht Barrierefrei

Am Ticketstand erfährt man mit harrscher Stimme, dass es für jeden Erwachsenen stolze 20€ kostet. Mit verständnislos, belustigtem Blick wird die Frage nach Barrierefreiheit beantwortet. Ein Blick nach oben liess uns gegen den Eintritt entscheiden. 40€ ohne zu wissen ob wir überhaupt das sehen können, was wir sehen möchten ist uns zu hoch gepokert. Keine Ahnung ob wir da jetzt zu geizig sind oder zu hohe Erwartungen haben.

Immerhin gibt es von dort schonmal ganz kostenlos einen tollen Blick über die Stadt.

Blick über Athen

Bummeln im Zentrum

Wir spazierten dann einfach der Nase nach grob Richtung Zentrum und Altstadt. Auf dem Weg gab es auch ganz umsonst immer mal beeindruckende jahrhundertealte Zivilisationsreste zu bestaunen. Archäologische Ausgrabungen scheinen zum Alltag zu gehören wie Bombenfunde in Berlins Erdschichten.

Ausgrabung in Athen

Rund um die Ermou Strasse gibt es reichlich Restaurants und Cafés, Klamottenläden, Trödel- und Souvenierläden und nahe der Altstadt Plaka einen kleinen Kiez der ganz Stoffen und Gedöns gehört. Dort konnte ich meine Stoffsucht voll befriedigen, vergass darüber aber leider ein Foto zu machen.

Die Stoffläden dort sind eher klein, dafür sehr viele beeinander. Unübersehbar werden Stoffrollen vor den Eingängen platziert, so dass auch die Kellerläden nicht übersehen werden können. Drinnen Stoffrollen über Stoffrollen, in einem mir nicht erkennbarem System, nach Farbe oder Stoffart scheinbar nicht. Die Verkäufer alle sehr nett und zuvorkommend ohne aufdringlich zu sein. Die Preise in allen Klassen vertreten, von 3€ für Polytierchen bis 50€ für einen meter englischer Baumwolle, die sich anfühlt wie Seide. Lustigerweise ging mein erster begeisterter Griff zu einer deutschen Viskose. Gerne hätte ich noch eine Runde durch die Kurzwarenläden gedreht aber hier war endgültig Schluss mit Sohnemanns Langmut und wir traten den Rückweg an. (Athens Stoffläden erhielten später eine zweite Chance, mehr dazu hier.)

Athen leider nirgends Barrierefrei

Um den Kleinen nicht zu überfordern beschränkten wir uns auf diesen Bereich. Aber auch das war schon recht viel verlangt für ein Baby. Zum einen wirklich wirklich laut und voll, okay erwartbar in touristisch attraktiven Regionen. Das Problem sind die Gehsteige. Diese sind häufig schlicht nicht vorhanden oder wenn vorhanden dann meist nur einen schlaglocherfüllten Meter breit. Gerne noch mit Müll vollgestellt oder mit Tischen von Lokalen. Auch abgesenkte Bordsteine sind absolute Ausnahmen von der Regel. Sehr oft bewegt man sich mit Kinderwagen auf der Strasse und hofft, dass nur aus einer Richtung ein Auto kommt. Dies ist sowohl im Zentrum, als auch im Randbezirk des Campingplatzes so, ich vermute also überall. Genau das ist auch der Grund warum man hier keinen einzigen Radfahrer sieht.

Fusswege in Athen

Im Fazit würde ich Athen mit Baby nur in kühleren Monaten empfehlen und dann unbedingt mit Babytrage. Wir lieben unsere zwar aber bei aktuell 32 Grad ist sie für keine der Beteiligten angenehm. Vor allem um Akropolis und Co zu besuchen ist ein Kinderwagen keine Option.

 

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