Echte Elternzeit
Costa Brava Spätsommerkombi

Costa Brava Spätsommerkombi

Ein Ensemble für den endlosen Sommer Spaniens und den kalten Winter der Heimat

Es grünt so grün wenn Spaniens Blüten blühen…

 

Den Stoff fand ich in Frankreich, nach unserem kurzen Abstecher nach Hyeres. Eine gewebte Viskose, die aber fest ist wie sonst eher Baumwolle und dabei dennoch ihren fliessenden Fall behält. Sowas hatte ich noch nie in der Hand, sollte unbedingt öfter produziert werden. Der Druck dunkelgrün mit einer niedlichen Bordüre mit Blumen und Vögelchen. Fast etwas zuviel Zucker für meinen Geschmack aber nur fast.

 

Im Stoffladen hatte ich noch ein Kleid im Kopf aber ich habe dieses Jahr schon soviele Kleider genäht und dachte mir für den Herbst könnte ich mal etwas anderes versuchen. Also ein Ensemble aus Rock und Weste. Geht im Spätsommer mit Top und im Herbst mit Rolli drunter.

Die Weste

Der Schnitt ist von Burda. Nichts spektakuläres da der Stoff schon hinreichend speziell ist. Den Riegel hinten liess ich weg, um das Muster nicht unnötig zu unterbrechen. Die Paspeltaschen vorne ebenfalls. Aber mal ehrlich, was zur Hölle sollen 3cm tiefe Taschen??? Taschen in die nichtmal ein durchschnittliches Taschentuch passt, die aber einen irren Aufwand machen. So ein Quatsch!

Zur Passformanpassung musste ich wie üblich ein paar Zentimeter verlängern, aber das ist bei dem Schnitt leicht zu machen. Ausserdem verlangte mein leichtes Hohlkreuz etwas mehr Schwung in der hinteren Linienführung . Also wurde das mittlere Rückenteil nochmal mit einer Mittelnaht versehen, die dem Rechenschaft trägt.

 

Gleich beim ersten Nadelstich, zeigte sich mal wieder, wie wichtig gutes Equipment ist. Ich hab meine Nähmaschinennadel ewig nicht gewechselt und dies zeigte sich sehr deutlich durch kleine Laufmaschen am Innenfutter. Also Obacht da draussen und immer schön die richtige Nadelstärke auswählen!

falsche,stumpfe NähnadelEin kleiner Special Effect sind die gefälschten Kappnähte. Echte Kappnähte dienen der Innenverarbeitung und werden doppelt umgeschlagen. Das wäre mir hier zu knubbelig geworden. Daher einfach nur die Nahtzugaben gatt umbügeln und dann knapp neben der Naht nochmal drübergesteppt.

Die Optik von aussen mit jeweils einer Steppnaht knapp neben der eigentlichen Naht, finde ich allerdings trotzdem sehr schön. So schön, dass ich sogar das Futter damit versah.

Weste InnenverarbeitungDer ganze Aufwand hat obendrein den Vorteil, dass die Nähte schön glatt liegen.

Der Rock

Der Rock fiel mir diesmal irgendwie deutlich schwerer. Kein Schnittmuster gefiel mir zum Stoff so hundertprozentig also blieb nur selber konstruieren. Bei einem Bordürenstoff hat man ja eigentlich wenig Auswahl. Der Stoff muss im Rechteck zugeschnitten werden und dann entweder mit Abnähern und/oder Falten oder Einkräuselung auf Taille gebracht werden. Ich mag eher sehr weite Röcke, die in einer schönen A-Linie fallen. Einkräuselung von viel Stoff trägt ziemlich auf, kommt daher für mich nicht in Frage. Also war mein erster Plan, reichlich Falten. Da ja selbst Plisseeröcke wieder schwer angesagt sind, können es ja nicht genug Falten sein.

Dachte ich.

An mir und mit diesem Stoff ergab das einen irgendwie… ähem… ländlichen Look. Also als Dirndl wäre es super aber als Berliner Stadtkind überzeugt mich das nicht so.

 

Nächster Versuch also weniger, dafür sehr tiefe Kellerfalten.

Deutlich besser finde ich.

 

Rock und Weste

Da ja nun die Weste keine Taschen bekommen hat, gönnte ich mir dafür am Rock zwei seitliche Nahttaschen. Irgendwo müssen Smartphone und Nuckel ja hin wenn das Kind auf den Arm will. Die sind so gut geworden, dass man sie auf keinem Foto so wirklich sieht aber sie sind da, ehrlich!

 

Da die Weste mit den Pseudokappnähten so ein hübsches Detail spendiert bekam, sollte auch der Rock nicht zu schlicht davon kommen. Also finden sich für die übrig gebliebenen Flamingoknöpfe passend zu den falschen Kapnähten noch falsche Klappentaschen auf dem Hintern.

Die Passform, soweit man bei einem weiten Rock davon sprechen kann, ärgerte mich diesmal auch bis in den Wahnsinn. Obwohl ich die Falten fünf Mal hin und her gesteckt habe, stimmte es einfach nie so richtig. Nachdem der Reissverschluss drin war, war die Taille dann doch wieder ein paar Zentimeter zu weit. Letzte Möglichkeit der Rettung waren zwei Stücken Gummiband die ich hinten jeweils seitlich vom Reissverschluss gedehnt in den Bund einnähte.  Manche Not wird ja zur Tugend. Dank Gummi sitzt er perfekt an der schmalsten Stelle meiner Taille, ich hab aber Platzreserve falls ich mal wieder völlig aus Versehen zuviel Souflaki/ Pasta/ Croissants/ Tapas oder so bestelle.

Detail Rock hinten

Ziemlich stolz bin ich auf den Saum. Der erste Blindstichsaum, der mir tatsächlich unsichtbar gelungen ist. Sogar aus der Nähe sieht man die Stiche fast gar nicht. Dabei ist es aufgrund der fehlenden Overlock nicht nur ein Blindstichsaum, sondern gleichzeitig ein doppelt umgeschlagener Saum.

Blindstichsaum

Es gibt jedenfalls eindeutig Situationen, in denen sich eine saubere Innenverarbeitung  lohnt.

Und Radfahrtauglich ist das Ganze auch noch.

Radfahrtauglich

Ich mags!

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