Echte Elternzeit
Die Geburt – der Beginn der Elternzeit

Die Geburt – der Beginn der Elternzeit

Mit der Geburt beginnen drei Leben neu

Dieser überraschende, absolut einzigartige, wundervolle, alles verändernde Tag aller Tage, dieser Tag im Dezember 2017 – die Geburt unseres Sohnes V.

Eigentlich zu früh aber doch genau rechtzeitig bevor Mama keine Lust mehr hatte auf den Walmodus und Hilferufe beim Schuheanziehen. So überraschend aber mit gerade genug Vorlauf damit Papa dabei sein konnte. Absolut aufregend aber doch so entspannt, dass Zwergi nichtmal schrie sondern nur leise seufzte als er ans Licht kam. Das große Unbekannte für alle Seiten aber dennoch das sichere Erkennen als Papas Stimme zum ersten Mal das Kind begrüßte und dessen großen Augen Mama bezauberten.

Ich hatte das Glück genau die Entbindung zu erleben, die ich mir gewünscht hatte. Eine freundliche Hebamme die mich nicht für meinen Wunschkaiserschnitt nach Wehenbeginn verurteilte, sondern als stabile Bezugsperson begleitete, Ärzte die ihr Handwerk verstanden und ein Anästhesist der mich wach und klar alles erleben liess, ohne Schmerz und Angst. Unser Sohn kam gesund und fit zur Welt und startete so unser Abenteuer Elternsein.

Gemeinsame Elternzeit vom ersten Tag an

Heute ist glücklicherweise selbstverständlich, dass der Vater bei der Geburt dabei ist. Manche halten dagegen, der Vater könne ja dabei nichts tun und hätte kein aktive Rolle. Dem kann ich nicht zustimmen. Mich hat allein seine Anwesenheit ungemein beruhigt und seine Rolle bestand schlicht im Vater werden und Vater sein, das sollte doch genug Aufgabe sein. Die Elternzeit beginnt auch für den Vater ab Geburt. Sie endet zwar ganz sicher nicht nach einem Jahr aber gerade in diesem Jahr ist seine Rolle sowohl für das Kind als auch für die Mutter enorm wichtig.

Unser Kleiner wurde zuerst in Papas Arme gelegt, während ich noch genäht wurde. Damit war er unerlässlich, wer sonst hätte das Kind halten sollen? Zu wem sonst hätte sich die erste Bindung aufbauen sollen? Niemand anderem hätte ich diese Aufgabe geben wollen und mich dabei so gut und sicher gefühlt.

Auch in den folgenden Tagen bestätigte sich unsere Entscheidung, das Elternzeit keine Sache für Mama allein ist. Der Begriff „Wochenbett“ wird heute deutlich unterbewertet. Nach den Monaten der Schwangerschaft, die dem Körper unglaublich viel abverlangt und der Geburt die in jedem Fall eine riesige Anstrengung ist, braucht frau einfach eine Pause. Ob sie will oder nicht. Wir hatten ein Familienzimmer und waren von Anfang an ununterbrochen zu Dritt. Diese Nähe war wundervoll und noch wundervoller war, dass ich mich um alles kümmern konnte aber um nichts kümmern musste. Solange mein Kreislauf noch schwächelte und meine Wunde schmerzte, durften Papa und Sohn ihre Beziehung stärken. Nur fair, denn ich hatte neun Monate Vorsprung und der Mann hatte sich in dieser Zeit zum Gatten des Jahres qualifiziert. Jetzt durfte er endlich Vater sein.

 

Eine schöne Geburt – in Deutschland bald die Ausnahme?

Ich hatte Glück. Mit der Klinik, dem Personal und dem Timing. Vielen Frauen geht es heute anders. In den letzten Jahren wurden weit über Tausend Entbindungsstationen geschlossen, Hebammen mit wahnwitzigen Versicherungssummen aus dem Beruf getrieben und wir haben jetzt einen Gesundheitsinister der Geburten für planbar hält und dementsprechend weite Fahrtwege in die Klinik für zumutbar. Der Druck der auf dem immer knapperen und scheinbar grundsätzlich schlecht bezahlten Pflegepersonal lastet, trägt weiter dazu bei in überfüllten Kreisssälen wahre Horrorszenarien entstehen zu lassen. Von Schwangeren die wegen Überfüllung unter Wehen von der Tür abgewiesen werden, bis zu Gebärenden die unter der Geburt Gewalt erleben müssen.

Ich kann nur aus der subjektiven Perspektive einer einzigen Schwangerschaft berichten aber meine lange Suche nach einer Hebamme für die Nachsorge daheim genügt mir um zum Thema selbstbestimmte, sichere Geburt auf zwei Projekte hinweisen zu wollen:

https://www.unsere-hebammen.de/   Hebammen brauchen und verdienen Unterstützung denn mindestens einmal im Leben, braucht jeder von uns eine Hebamme.

http://www.gerechte-geburt.de/home/roses-revolution/  Mit dem Roses-Revolution-Day am 25.November soll auf Gewalt unter der Geburt hingewiesen werden und das Schweigen darüber gebrochen werden. Keine einzige Frau sollte unter der Geburt verbale Gewalt oder physische Gewalt in Form von ungewollten, medizinisch nicht notwendigen Eingriffen erleben.

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