Echte Elternzeit
Finanzierung Elternzeit – Fokus Elterngeld

Finanzierung Elternzeit – Fokus Elterngeld

Ich habe vor einer Weile einen Beitrag zur Finanzierung der Elternzeit bzw. einer Elternzeitreise versprochen. Nun werden es sogar zwei Beiträge. Zuerst ein paar Basics zum Elterngeld als wichtigster Säule zur Finanzierung der Elternzeit und meine two Cents an Meinung dazu. Morgen dann Teil 2, in dem ich näher auf Finanzierung einer Elternzeitreise eingehe.

Aktuelle Elterngeldregelung

Elterngeld ist ein riesiger Schritt nach vorn und man muss sich bewusst machen, dass dies etwas weltweit einzigartiges ist. Schon bei den Nachbarn in der Schweiz gibt es maximal zwei Monate unbezahlten Mutterschutzurlaub, danach muss frau entweder kündigen oder wieder zur Arbeit erscheinen. Die Väter bekommen wenn sie Glück haben zur Geburt einen Tag frei. Insofern ist die folgende Kritik irgendwie jammern auf hohem Niveau aber eben auch das Bestreben Dinge immer weiter zu optimieren.

Elterngeld gibt es für das Elternpaar für 14 Monate. Wobei ein Partner es maximal 12 Monate beziehen kann, die verbleibenden zwei Monate muss der andere Partner beanspruchen oder es verfällt. Zwei Monate sind verpflichtend von der Mutter zu nehmen, da sie mit den acht Wochen Mutterschutzgeld nach Geburt abgegolten werden. Wie der Rest aufgeteilt wird ist egal.

Das Elterngeld entspricht grundsätzlich etwa zwei Dritteln des Einkommens, was man durchschnittlich in den letzten 12 Monaten verdient hat. Das Mindestelterngeld, was beispielsweise Studenten erhalten, beträgt 300€. Arbeitet man Vollzeit aber zu Mindestlohn, kann das Elterngeld sogar bis zu 100% des Nettogehaltes entsprechen. Das maximale Elterngeld beträgt 1800€, höherer Verdienst wird nicht weiter brücksichtigt.

Weitere Informationen am besten beim zustädigen Ministerium und sogar erfreulich verständlich aufbereitet.

Praktische Tips zum Elterngeld

Der Antrag zum Elterngeld ist der Vorhof zur Hölle.

Ich kann nur empfehlen den Antrag direkt nach den zwei Strichen auf dem Schwangerschaftstest auszudrucken und abzuarbeiten. Größter Hindernisparcours ist die Beschaffung aller nötigen Anlagen, die von verschiedensten Stellen zu bestimmten Zeiten beantragt werden müssen. Es ist wirklich zu empfehlen diese Papiersammlung VOR der Geburt weitgehend zu erledigen. Nach der Geburt hat man noch weniger Lust, Zeit und Nerven dafür.

Mit der Geburtsurkunde hat man das letzte nötige Dokument. Nun gilt es am besten persönlich zur zuständigen Elterngeldstelle beim Jugendamt zu gehen. Theoretisch kann man die Unterlagen auch per Post schicken. Praktisch bekommt man dann unter Garantie einen Brief zurück mit der Liste der fehlenden Unterlagen. Mitunter selbst dann wenn diese ganz sicher beigefügt waren. Die Behörden sind wahnsinnig überlastet und unterbesetzt. Ich erkenne es als Notwehr an, wenn Bearbeiter über diese Reaktion die einzuhaltende Bearbeitungsfrist für sich verlängern.

Bei persönlichem Vorsprechen kann man alles gemeinsam durchgehen, fragen was genau fehlt oder warum ein Dokument so nicht korrekt ist. In jedem Fall habt ihr auf persönlichem Wege bessere Chancen einer zügigen Bearbeitung. Die Dauer schwankt hier enorm je nach Behörde. Wir hatten Glück und nach zwei Wochen war alles geritzt. Ich kenne aber auch Fälle die vier Monate dauerten, ein SuperGAU für Reisepläne.

Der Haken mit der Gleichstellung

Theoretisch können die Eltern  ganz gleichberechtigt entscheiden, dass jeder für sieben Monate Elterngeld bezieht und ebenso lang in Elternzeit geht. Elternzeit ist komplett getrennt zu betrachten, hier hat jedes Elternteil für sich einen Anspruch auf 36 Monate. Theoretisch auch hier absolute Gleichberechtigung.

Dabei gibt es aber bei der Umsetzung zur Praxis zwei ganz wesentliche Haken. Erstens gibt es einen Kitaplatzanspruch erst ab dem vollendetem ersten Lebensjahr. Da selbst zu diesem Zeitpunkt Kitaplätze mehr einem Lottogewinn ähneln, ist es in vielen Gegenden absolut unrealistisch das Kind kürzer als ein Jahr daheim zu betreuen. Eine parallele Elternzeit, bei der einer Elternzeit bezieht und der andere nach seinen zwei Monaten ohne Geld dasteht, ist sicher für die meisten undenkbar.

Zweiter Haken: die Elternzeit muss lange vor der Geburt mit dem Arbeitgeber abgestimmt werden. Zu diesem Zeitpunkt planen die meisten Frauen zu Stillen. Ein Jahr Stillen ist dabei oft angestrebt und die einzige Sache die sich nicht vom Papa übernehmen lässt. Ohne zu wissen ob das überhaupt klappt, muss also in Anbetracht von Haken Nummer eins erstmal geplant werden, dass die Mutter ein Jahr daheim bleibt. Nur wenn finanzielle Reserven da sind, kann Papa mehr als zwei Monate beim Kind bleiben.

Bei näherer Betrachtung manifestiert also das Elterngeld in der derzeitigen Ausgestaltung die eigentlich doch überholte Rollenverteilung. Mit der Folge, dass Väter kaum an Elternzeit teilhaben und es für Arbeitgeber immer noch hinsichtlich des Ausfallrisikos einen Unterschied macht ob Mann oder Frau eingestellt oder befördert wird. Die Politik hatte hier vielleicht gute Absichten aber hat in der Umsetzung gepatzt und diese unsäglichen zwei „Vätermonate“ kreiert. Viele glauben inzwischen, es ginge gar nicht anders und wundern sich, wenn von anderer Elternzeitkonstellation berichtet wird.

Mein Optimierungswunsch zum Elterngeld

Ich finde beim Elterngeld sollte es ebenso wie bei der Elternzeit einen eigenen Anspruch für jedes Elternteil geben und zwar 12 Monate. Damit könnten Eltern entweder gemeinsam ein Jahr echte Elternzeit machen oder nacheinander jeweils ein Jahr beim Kind bleiben, wenn sie zum Beispiel ihr Kind nicht schon mit einem Jahr in die Kita geben wollen. In jedem Fall würde damit ein Schritt mehr Richtung Geschlechtergerechtigkeit gegangen werden, der vor allem den Kindern zugute kommt.

Jetzt wird mancher entgegnen: „Wer soll denn das bezahlen???“

Ich habe kürzlich meinen jährlichen Steuerbescheid erhalten. Eine Zahl sprang mir nahezu schmerzhaft ins Auge, die Summe die ich allein für ein Jahr an Einkommensteuer gezahlt habe. Sie entspricht etwa der Summe, die ich in fünf Monaten an Elterngeld erhalte. Man könnte also sagen, ich bekomme nicht wirklich einen Sozialtransfer im klassischen Sinne, sondern ich erhalte 2,5 Jahre Einkommensteuer zurückerstattet, dafür dass ich einen weiteren Steuerzahler auf den Weg bringe. Ein Baby als zukünftigen Steuerzahler zu betrachten, ist zwar irgendwie gruselig aber da mein Sohn in seiner zweiten Lebenswoche unaufgefordert eine Steuernummer zugeordnet bekam, kann ich davon ausgehen, dass der Staat Babys als genau das betrachtet. Somit ist ein Jahr Elterngeld für jeden Elternteil, gegenüber einen weiteren Steuerzahler für etwa 45 Jahre immer noch ein verdammt guter Deal für Vater Staat.

Elterngeld und Kitakrise

Letzter aber wichtiger Punkt der mir zum Thema wichtig ist: unfreiwillige Elternzeit aufgrund Kitaplatzkrise.

Wer gezwungen ist länger als gewünscht in Elternzeit zu bleiben, weil kein Kitaplatz gefunden werden kann, sollte ohne wenn und aber sein volles Gehalt von vor der Elternzeit vom zuständigen Bezirksamt (weil dies für Kitaplätze verantwortlich ist) erhalten. Es kann nicht sein, dass Eltern aufgrund der Unfähigkeit der Politik völlig unverschuldet finanzielle Nachteile haben oder gar in ernsthafte finanzielle Nöte geraten. Auch hier soll mir niemand kommen mit „Wer soll denn das bezahlen?“. Die Bankenkrise, die Griechenlandkrise und die Flüchtlingskrise haben eindrucksvoll gezeigt wie unfassbar schnell unfassbar viel Geld im Krisenfall zur Verfügung gestellt werden kann, dann sollte doch diese Forderung für die Kitakrise ebenso leicht zu erfüllen sein. Ich halte diese Forderung sogar für elementar und eilig, denn selbst wenn die Politik sich zeitnah zu sinnvollen Maßnahmen durchringen kann, wie dem Bau neuer Kitas oder der vermehrten Ausbildung von Erziehern, wird es Jahre dauern bis diese Maßnahmen Wirkung zeigen. In dieser Zeit dürfen Eltern zumindest nicht noch weiteren finanzielle Schaden nehmen, wenn schon der Schaden an der Erwerbsbiographie nicht behoben werden kann.

 

 

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