Echte Elternzeit
Finanzierung Elternzeit – Fokus Elternzeitreise

Finanzierung Elternzeit – Fokus Elternzeitreise

Eine Reise in der Elternzeit

Nun also Teil zwei der Finanzierung Elternzeit. Das Sahnehäubchen auf gemeinsamer Elternzeit ist eine Elternzeitreise. Nach unseren ersten fünf Wochen unterwegs kann ich nur immer wieder sagen, es ist die beste Zeit unseres Lebens und jeden Cent wert. Mir ist bewusst, dass es ein großer Luxus ist, den wir uns hier ermöglichen aber ich denke es ist kein Schickeria-Champagner-Luxus für von-Beruf-Sohn/Tochter-Menschen. Sondern zumindest für die Eltern, die das Glück haben in vernünftiger Arbeit zu stehen, durchaus realistischer Luxus. Die Problematik zunehmender prekärer Beschäftigungsverhältnisse ist mir bewusst aber ich kann hier nur aus der Perspektive meines verdammt hart erarbeiteten Mittelstandes berichten und hoffe kein Leser fühlt sich davon angegriffen oder in sonst irgendeiner Weise schlecht.

Schritt 1 – Was wollt ihr?

Zuallererst muss man sich als Paar einig werden was man sich so vorstellt unter Elternzeit und Elternzeitreise. Je eher ihr hier eine Idee habt, umso besser für den Sparplan. Wohin soll es gehen und welche Möglichkeiten der Unterkunft habt ihr. Klar am einfachsten ist es im Wohnmobil aber nicht jeder hat eins. Schon vor Jahren sind mir in Thailand Elternzeitreisende begegnet, die mit dem Rucksack unterwegs waren. Das teuerste an der Variante dürfte der Flug sein. Kürzlich in Gythio war ein Paar, dass mit dem Kleinwagen reiste und sich immer kleine Zimmer oder günstige Bungalows mietete, oft auch nicht teurer als die Stellplatzmiete für das Womo und mit definitiv geringeren Spritkosten.

 

Für uns war zuvorderst klar, wir wollen ein ganzes Jahr gemeinsame Elternzeit ( warum habe ich hier ausgeführt). Ausserdem wollen wir so lange reisen wie möglich. Die Tour soll an Europas Küsten entlangführen und natürlich mit unserem Wohnmobil stattfinden.

Schritt 2 – Finanzcheck

Erster Anlaufpunkt ist das Bundesministerium für Familie, Frauen, Senioren und Jugend, da könnt ihr sehr genau rausfinden was euch an Elterngeld erwartet. Obendrauf kommen etwa 190€ Kindergeld monatlich.

Dann ist Kassensturz angesagt, was habt ihr an Reserven und was könnt ihr bis zum D-Day eures Nachwuchses noch beiseitelegen?

Ganz ehrlich: ohne Erspartes geht es nicht. Hier sind jetzt ganz klar Paare im Vorteil, die eher spät Eltern werden, dafür schon beruflich gefestigt sind und etwas auf der hohen Kante haben. Wir bekommen das maximale Elterngeld und haben gemeinsam eine knapp  fünfstellige Reserve. Klingt viel, ist aber nichtmal vierstellig pro Monat on Tour.

Schritt 3 – Fixkosten bearbeiten

Hier solltet ihr spätestens in der Schwangerschaft dran gehen. Welche heimischen Fixkosten könnt ihr runterdrehen? Fitnessstudio und Abos haben meist Kündigungsfristen aber dafür werdet ihr vermutlich auch nach der Elternzeit keine Zeit mehr haben. Bei Strom und Gas kann man die monatlichen Abschlagszahlungen drastisch minimieren. Wer nicht daheim ist, verbraucht auch nichts. Größter Kostenfaktor ist immer das Wohnen. Lebt ihr zur Miete kann man da wenig dran drehen aber vielleicht ist Untervermietung für euch eine Variante!? Hausbesitzer haben hier einen klaren Vorteil. Die meisten Banken freuen sich sogar noch wenn man die Rate zeitweise runterdreht, sind ja hintenraus mehr Zinseinnahmen. Wenn man schon vor dem Brüten an den Nestbau geht, lohnt es sich entsprechend flexible Kredite auszuwählen.

Schritt 3 – Reisekosten kalkulieren

Es gibt ein paar Punkte, um die ihr bei den Kosten nicht herumkommt. Ihr müsst irgendwie euer Reiseziel erreichen, ihr müsst dort irgendwo wohnen, ihr müsst essen und ganz wichtig ihr braucht eine Auslandskrankenversicherung. Die kann je nach Länge der Reise ein erheblicher Kostenfaktor sein, dazu habe ich hier bereits etwas geschrieben.

Wir haben folgendermaßen kalkuliert:

  • 25€ pro Tag an Campingplatzmiete
    • Erstmal für jeden Tag einkalkuliert aber jeder Tag frei stehen gibt Budget frei für andere Dinge.
    • 6000€ insgesamt
  • 150€ pro Woche für Essen und Essen gehen
    • Hier ist natürlich viel Varianz drin, je nachdem ob man überhaupt essen geht, wie eng man es mit der Bio-Ernährung sieht…
    • 4800€ insgesamt
  • 150€ pro Monat Tanken
    • Besonders schwer zu schätzen, da wir keine genaue Routenplanung machen wollen. Fest steht, dass dem Kleinen lange Strecken nicht zuzumuten sind und wir meist wenigstens eine Woche Fahrtpause einlegen wollen. Hilfreich ist hier eine Testfahrt, um den tatsächlichen Verbrauch einschätzen zu können.
    • 1200€ insgesamt
  • Sonderposten
    • Fähren Venedig-Patras und Patras-Bari 650€
    • Auslandskrankenversicherung 900€

Bei acht Monaten kommt man da auf 13.550€, was in etwa dem Elterngeld für diesen Zeitraum entspricht. Für den Babybedarf wird ganz zweckgemäß das Kindergeld genutzt und das sollte für den Winzling allemal reichen.

Dann fehlen natürlich noch die heimischen Fixkosten, Kosten für Ausflüge und Unternehmungen und eine Reserve. Hier hat sicher jeder ein anderes Sicherheitsbedürfnis. Ich bestand auf eine Reserve, die uns in Notfällen (ob bei uns, in der Familie oder im Freundeskreis) einen sofortigen Flug nach Hause ermöglicht – nicht verhandelbar. Bei Reisen im Wohnmobil sind natürlich auch immer Reparaturkosten einzuplanen.

Diese Punkte decken wir mit unseren Ersparnissen ab und akzeptieren für uns, bei unserer Rückkehr diese vielleicht aufgebraucht zu haben. Mir fällt nichts besseres ein, um Ersparnisse zu verwenden.

Schritt 4 – WunsCh und Möglichkeit zusammenbringen

Jetzt  heisst es ein bisschen hin und her schieben. Dauer, Qualität und  Entfernung sind letztlich die drei Stellschrauben. Information ist hier alles, je genauer ihr wisst welche Kosten euch erwarten, desto besser.

Wo kein Wille ist, ist ein Grund. Wo ein Wille ist, ist ein Weg!

Wie sieht euer Weg aus? Ich bin neugierig auf andere und vielleicht sogar völlig andere Lösungen für Elternzeitreisen!

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