Echte Elternzeit
Gibraltar

Gibraltar

La Linea

Auf unserem Weg entlang der Mittelmeerküste Europas wollten wir auch die Festlandenklave Großbritanniens nicht ausfallen lassen. Maps fand für ins einen Campingplatz kurz vor Gibraltar und diesen steuerten wir einfach an. Noch nie hatten wir uns Gedanken über unsere Sicherheit gemacht. In keinem der Länder die wir in den letzten Monaten bereist haben. Weder auf städtischen noch auf abgelegenen Camping- oder Stellplätzen.

 

Wir erreichten den Campingplatz am späten Nachmittag. Ich hatte noch Bewegungsdrang und ging mit dem Kinderwagen spazieren. Wollte die Gegend erkunden. Der Platz liegt an einem langen Strand, nur von einer Strasse getrennt an der ein wunderbar ausgebauter Fuss- und Radweg entlangführt. In der Ferne ist bereits der Rock of Gibraltar zu sehen.

 

Ich ging einige hundert Meter den Strand entlang bevor ich an die ersten Häuser kam. Google wies mich freundlicherweise darauf hin, dass es im Ort einen Stoffladen gibt. Klasse, zeig mir den Weg, weg von der Hauptstrasse. Wenige hundert Meter später drehte ich um. Der Weg liegt neben einem Regenwasserkanal voll mit Müll. Auf beiden Seiten davon nicht enden wollende Mauern. Drei Meter hoch zum Teil mit Stacheldraht oben drauf. Eingelassene Stahltore verhindern selbst den kleinsten Blick ins Innere.  Eine einsame rosa Schleife weist den Weg zu einem Kindergeburtstag. Ich frage mich was Kinder hinter solchen trostlosen Mauern zu suchen haben. Allmählich wird mir bewusst noch keinem einzigen Menschen begegnet zu sein.

Es wird mir zu unheimlich und ich drehe um.

 

Auf dem Rückweg fallen mir Mehrfamilienhäuser auf. Aus der Ferne ganz normal. Aus der Nähe fallen der Zaun, die dahinterliegende Mauer und die vergitterten Fenster auf. Vergitterte Fenster selbst noch in der vierten Etage. Es gruselt mich immer mehr. Es muss einen Grund haben, wenn Einwohner sich derartig verbarrikadieren. Die ganze Atmosphäre ist schwer zu beschreiben aber eindeutig abweisend.

La Linea bei GibraltarRaschen Schrittes kehre ich zum Campingplatz zurück.

Wir recherchieren den Ort, der direkt vor Gibraltar liegt. La Linea ist inzwischen eine vom Banden dominierte Drogenhochburg. Staat und Polizei haben diesen Ort nahezu aufgegeben weil sie den Schmugglern die hier am Strand Drogen und Menschen von Schnellbooten aus Marokko abladen massiv unterlegen sind.

 

Am nächsten Morgen verlassen wir den Ort. Unser Bauchgefühl macht das nicht mit.

Stellplatz im Yachthafen

Wir suchen nach Tips anderer Wohnmobilreisenden und finden einem Stellplatz fast direkt am Grenzübergang. Ein großer bewachter und kameragespickter Parkplatz mit einigen Wohnmobilstellplätzen. Weniger komfortabel, da ohne Strom und Sanitäranlagen, aber das Bauchgefühl ist einverstanden. Ausserdem brauchen wir von hier aus nicht die Fahrräder, um nach Gibraltar zu gelangen. Mit ein paar Minuten Fussweg ist man schon über der Grenze.

Stellplatz Yachthafen Gibraltar

Klare Empfehlung !

Grenzgang nach Gibraltar

Die Grenze zwischen Spanien und Gibraltar ist mal wirklich was Besonderes. Sie verläuft parallel zum Rollfeld des Flughafens. Direkt hinter der Passkontrolle fährt oder läuft man über die Start- und Landebahn. Flugzeuge und Fussgänger werden hier per einfacher Ampel auseinander gehalten.

Grenze Flughafen Gibraltar

Übrigens ist die Grenzkontrolle hier zwar technisch optimal und zeitgemäß ausgestattet, wird jedoch eher simpel gehandhabt. Offene Türen vermitteln ja auch viel mehr Willkommensgefühl.

Grenze GibraltarEine Stadt im Wandel

Die ganze Stadt scheint eine einzige Baustelle zu sein. Auffällig ist, dass die Gebäude je näher am Berg desto älter und kleiner sind und je näher am Wasser, umso moderner, höher und dichter sind. Nahe dem Wasser hat man das unangenehme Gefühl von Enge und Lärm wie auch in Monaco.

Näher am Berg fühlt sich die Stadt schon eher wie ein Ort mit Geschichte und Charme an.

Charme von Gibraltar

Das britische ist dabei allgegenwärtig und prägend. Der Union Jack flattert überall, Kinder in Schuluniform und rote Telefonzellen.

Telefonzelle Gibraltar

Rock of Gibraltar

Weithin sichtbar ist der über 400m hohe Kalksteinfelsen von Gibraltar.  Der einsame Monolit ragt so hoch über dem Meer auf, das sich ständig die Wolken an ihm zu verfangen scheinen.

Rock of GibraltarMit der Seilbahn gelangt man bequem hinauf. Es sei denn man hat einen Kinderwagen dabei. Sowohl in der Talstation als auch oben sind viele enge Treppen zu bewältigen. Mit einem Rollstuhl aussichtslos. Allerdings gibt es Minibusse und Taxis, die einen ebenfalls hinaufbringen.

Die Aussicht ist grandios und den Ausflug definitiv wert. Fast schöner ist allerdings der Weg hinunter. Wir beschliessen zu Fuss zurück zu gehen.

Bergweg GibraltarDie Strassen sind zwar leider nicht für Fussgänger und Autos getrennt und gelegentlich müssen wir Busse im Gänsemarsch vorbeilassen aber zumindest jetzt im Oktober sind es nicht allzuviele. Etwa fünf Kilometer läuft man die langgezogenen Serpentinen hinunter zur Stadt. Meist im Schatten der Bäume und mit Zwischenstops an den einzelnen Ausstellungen und Attraktionen durchaus zu schaffen.

 

Skywalkers Skywalk

Kleines Special Highlight für meinen StarWars-Fan ist der Skywalk der erst kürzlich vom ultimativen Skywalker Mark Hamill eröffnet wurde. Ein Glasboden unter dem es ein paar hundert Meter runter bis zu den Klippen der Meerenge geht. Nix für Leute mit Höhenangst. Den Sohn beeindruckte das überhaupt nicht.

Skywalk Gibraltar

Saint Michaels Cave

Saint Michaels Cave ist ein weiteres Highlight auf dem Weg hinab. Eine kathedralenartige Höhle voll mit Stalaktiten und Stalakmiten die sich zu irren Gebilden formieren.

Saint Michaels Cave GibraltarMit farbigen Lichtspielen wird das ganze hübsch in Szene gesetzt.

Saint Michaels Cave GibraltarBlitzt man die Gebilde an, wird die tatsächliche Farbe sichtbar und das Konstrukt erinnert eher an ein riesiges Knochengerüst. Die Atmosphäre wechselt kurz von spielerisch zu unheimlich.

Saint Michaels Cave GibraltarGibraltars Affen

Gibraltar beherbergt die einzige freilebende Affenpopulation Europas.

Affen Rock of Gibraltar
Der dunkle Fleck der neben diesem Exemplar in der Luft zu schweben scheint, ist übrigens Marokko.

Die Makakken herrschen dabei nicht nur über den Berg, sondern fühlen sich durchaus auch in der Stadt als Herren der Strasse.

Affen GibraltarDie Tiere bewegen sich mit absoluter Selbstverständlichkeit neben den Menschen. Sie anzufüttern ist bei 4000£ Strafe verboten. Das hält sie nicht davon ab bei Menschen anzufragen, ob sie was dabei haben. Wer, wie wir, jedoch keinen Wert auf Hautkontakt mit wilden Tieren legt, kann sie problemlos mit entsprechender Körpersprache auf Abstand halten und wird von ihnen  weitgehend ignoriert. Leben und leben lassen.

Affen Gibraltar

Trotz des holperigen Starts verbrachten wir zwei sehr schöne Tage in Gibraltar.

1 Gefällt mir

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.