Echte Elternzeit
Kinderfotos im Internet

Kinderfotos im Internet

Diskussion um Kinderfotos

Seit einige Zeit wird in diversen Onlineforen darüber diskutiert, ob man Kinderfotos im Internet veröffentlichen sollte oder nicht. Gutes Argument dagegen ist das Recht am eigenem Bild, welches auch ein Kind inne hat. Schlimmste Befürchtung ist der Missbrauch von Kinderbildern durch Pädophile. Die rigide Entscheidung einiger Bloggerinnen gegen jegliche Veröffentlichung führt zu Bildern mit Smileys über den Gesichtern oder der reihenweisen Veröffentlichung von Hinterköpfen.

Ich habe selber lange überlegt wie ich das eigentlich sehe und welche Argumente für meine eigene Entscheidung dazu relevant sind. Jeder der sich irgendwie im Internet bewegt, muss das für sich und seine Familie selber abwägen. Mein Mann und ich kamen zu folgender Ansicht:

Ich veröffentliche Bilder meines Sohnes.

Das Internet als Erweiterung des realen öffentlichen Raumes

Menschen sind soziale Wesen, unser Leben findet zum Teil im öffentlichen Raum statt. Wir bewegen uns draußen, wo uns jeder andere Mensch sehen kann. Wir verbinden uns zu Gruppen die gemeinsam Sport machen, miteinander arbeiten oder zufällig gemeinsam die Bahn benutzen. Wir sind im Alltag sichtbar. Unsichtbar zu sein ist für einen normal sozialisierten Menschen ein eher ungutes Gefühl. Die Anonymität der Großstädte wird zwar mitunter als befreiend empfunden aber eben häufig auch als asozial im Wortsinne.

Das Internet ist ein virtuelles Abbild unserer Realität oder weiter betrachtet eine Erweiterung des öffentlichen Raumes. Noch hat dieses Abbild Mängel und Fehler aber ich persönlich rechne mit einer stetigen Weiterentwicklung und durchaus auch Optimierung dieses Abbildes. Zudem ist auch die reale Welt ziemlich mangelhaft. Immer häufiger greift die virtuelle Welt der Realen voraus, wenn beispielsweise zunächst Bitcoins ein nur online verfügbares Zahlungsmittel sind, welches inzwischen auch den realen Kaffee bezahlen kann. Oder selbstfahrende Autos die nur in Computerspielen vorkamen und nun auf der Straße auftauchen. Die zukünftige Realität wird virtuell entworfen.

Wenn wir unsere Kinder aus dem Internet raushalten wollen, heißt das sie aus dem öffentlichem Raum auszuschliessen. Ich möchte eine reale Welt in der Kinder selbstverständlicher, sichtbarer und hörbarer Teil sind, dementsprechend möchte ich keine virtuelle Welt in der Kinder unsichtbar sind.

Umgang mit Gefahren im öffentlichen Raum

Natürlich kann ich weder in der realen noch in der virtuellen Welt Gefahren ignorieren. Seien es nun Gefahren für mein emotionales Wohlbefinden oder für meine körperliche Unversehrtheit oder eben die meines Kindes. In der realen Welt werde ich nicht jede Emotion im öffentlichen Raum ausleben und nicht jeden Ort betreten. Ich erläutere Beziehungsprobleme nicht in der Bahn und gehe nachts nicht nackt in Parks der Drogenszene. Es ist nur logisch dies in der virtuellen Welt, wenn man sie als Erweiterung des öffentlichen Raumes betrachtet, genauso zu halten und dies für sein Kind ebenso zu tun. Weder würde ich auf meinem Blog detailliert über Intimes schreiben, noch mich nackt präsentieren. Auch meinen Sohn werde ich nicht nackt zeigen oder seine Emotionslagen ausbreiten.

Nun gibt es besonders auf Instagram auch die Gegenbewegung mit Hashtags für mehr „Realität“. Gemeint ist damit wegzukommen von den auf Hochglanz polierten Fotos und Heile-Welt-Beiträgen und statt dessen auch die traurigen, anstrengenden oder sonstwie beschwerlichen Teile des Lebens zu zeigen. Grundsätzlich finde ich das begrüßenswert aber dies ist eben immer ein Eingeständnis von Schwäche. Wie weit man sich das traut ist eine sehr persönliche Entscheidung.

An dieser Stelle ziehe ich eine Grenze von Entscheidungen die ich für mein Kind treffen will. Ich kann für mich entscheiden ob ich meine negativen Gefühle öffentlich offenbaren will, zum Beispiel zum Thema Mutterschaft, weil ich damit irgendwas bewirken möchte. Ich kann aber nicht entscheiden ob mein Sohn, der potenzielle Bundeskanzler der Zukunft, seine Kindheitsprobleme öffentlich sehen möchte. Somit zeige ich nur die Dinge von ihm, die nach vielleicht altmodischer Definition uneingeschränkt öffentlichkeitstauglich sind. Die Bestandteile seines Lebens für die er sich weder als 12-jähriger mit gemeinen Mitschülern schämen würde, noch als Erwachsener mit vielleicht besonderer Berufung in der Kritik stehen könnte. Auch wenn das bedeutet, dass sein jetziges Leben in der Öffentlichkeit ein wenig beschönigt aussehen mag.

Leben versus Sicherheit

Wie die Kritiker der Veröffentlichung von Bildern schon ganz richtig anmerken hat ein Kind das Recht am eigenen Bild und ich als Elternteil bin die Hüterin dieses Rechtes. Genauso wie ich die Hüterin seines seelischen Wohls bin und ihn vor späterem Mobbing oder prekären Fragen in Bewerbungsgesprächen schützen muss. Deswegen werden Worte ebenso wie Bilder über ihn sorgsam ausgewählt und gefiltert. Damit balanciere ich auf diesem Blog für unsere ganze Familie zwischen Offenbarung und Schutz und ja, das ist immer wieder eine Herausforderung. Genauso ist es das in der realen Öffentlichkeit.

Sehr aktuelle Frage für uns: kann ich an diesem Strand mein Kind nackt baden? Damit bin ich bei der Sorge der Kritiker vor Pädophilen. Ja leider gibt es solche Menschen und leider werden auch einige, die diese bedauernswerte Neigung haben, zum Täter und somit zu einer Gefahr für mein Kind. Es gibt aber auch immer mehr Menschen die ein gestörtes Verhältnis zu ihrem eigenem Körper haben, zu Nacktheit und in Folge zu Sexualität. Mein Sohn soll nicht irgendwann dazu gehören.

Irgendwann werden ich trotz der Gefahren des Verkehrs mein Kind alleine auf die Straße gehen lassen müssen. Irgendwann später muss ich meinem Sohn auch nachts ausgehen lassen müssen, trotz existenter Drogenparks in die er sich verirren könnte. Hier muss ich also in der realen Welt wiederum ebenso wie in der virtuellen eine Balance halten. Eine Balance die auch Eltern ohne Internetpräsenz halten müssen und schon immer mussten. Die Balance zwischen der elterlichen Angst vor Gefahren und dem Loslassen des Kindes ins Leben mit all seinen Facetten.

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