Echte Elternzeit
Kitalleluja

Kitalleluja

Wir werden wohl nie mehr im Lotto gewinnen.

Unser statistisches Glück ist auf Lebenszeit aufgebraucht !

Wir haben einen Kitaplatz.

In Berlin.

BÄÄÄM!

Der würdelose Weg zum Kitaplatz

Die Freude ist natürlich groß, zumal die Zusage von einer Kita kommt, die uns wirklich gefällt. Bei weitem nicht selbstverständlich. In der aktuellen Berliner Kitasituation bewirbt man sich bei jeder Kita, die irgendwie erreichbar ist. Auch wenn alle okay sind, so hat man doch immer eigene Vorstellungen was man sich fürs eigene Kind wünscht und welche Erklären sich mit dem späterem Alltag vereinbaren lassen. Wenn man wie wir im vierten Monat schwanger mit der Suche beginnt, verabschiedet man sich spätestens im sechsten Monat von diesen Vorstellungen.

 

Genauso verabschiedet man sich von seiner Selbstachtung. Man bewirbt sich persönlich mit dickem Bauch und eisernen Lächeln. Man ruft alle Nase lang an und fragt und bittet. Man schickt sogar Postkarten und Fotos. Ich hatte mir das genaue Datum ausgerechnet, wann ich frühestens den Kitagutschein beantragen darf. Dies tat ich beim Jugendamt persönlich und brachte dann jeder Kita, die ich vor unserer Abreise noch erreichen konnte, eine Kopie persönlich vorbei. Mit Kind und Kulleraugen.

 

Für die Kitamitarbeiter vermutlich genauso zermürbend, wie für die Bewerber. Verzweifelten Eltern die Hoffnung nehmen, macht sicher niemandem Spass.

Glück aufs Unglück anderer

Letztlich habe ich jetzt den Kitaplatz dem Unglück einer anderen Familie zu verdanken. Berlin ist seit diesem Jahr knallhart geworden, was Pendlerfamilien angeht. Brandenburger Kitagutscheine werden nicht mehr akzeptiert. Zieht also eine Familie aufgrund des drastischen Berliner Wohnraummangels in den brandenburgischen Speckgürtel, verliert das Kind sofort seinen Kitaanspruch und muss aus seiner Kitagruppe gerissen werden. Dies ist passiert und für uns zum Glück genau in dem Zeitraum ab dem unser Kitagutschein gilt.

 

Selbst im besten Fall, in dem man einfach Glück hat auf der Liste ganz oben zu stehen, weiß man, hinter einem stehen hunderte Eltern die nicht berücksichtigt werden können. Wer weiß wieviele existenzbedrohende Schicksale.

Die nächste Krise steht schon bereit

Einen Kitaplatz aufgrund politischen Handelns zu bekommen wäre uns lieber gewesen. Aber auf dieser Ebene gibt es ja nur zahnlose Gute-Kita-Gesetze, Podiumsdiskussionen und Absichtserklärungen aber in meinem Bezirk bisher keine einzige neue Kita. Auch wenn unsere persönliche Kitakrise abgewendet ist, ist die Krise in Berlin bei weitem nicht beendet.

 

Ich wappne mich innerlich schonmal für die Berliner Grundschulkrise. Drei Viertel der aktuellen Drittklässler erreichen nicht den Regelstandard in Rechtschreibkompetenzen. Ein Drittel erreicht diesen Standard auch im Lesen nicht. (Quelle hier nach VERA3 Untersuchung)  Nur jede siebte offene Grundschullehrerstelle könnte überhaupt besetzt werden. Von diesen 1240 Einstellungen erfolgten nur 180 mit dafür ausgebildeten Lehrern. (Quelle hier) Mehr brauche ich nicht zu wissen, um meine Zweifel an einer reibungslosen Beschulung meines Sohnes zu haben.

 

Wir sehen uns also bald im nächsten Drama.

 

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