Echte Elternzeit
Papa kanns genauso gut – wie sieht sie aus die moderne Vaterrolle?

Papa kanns genauso gut – wie sieht sie aus die moderne Vaterrolle?

Das Märchen der inkompetenten Väter

Ich lese enervierend häufig, dass die Mutter in den ersten Lebensjahren unersetzlich wichtig ist. Nur sie kann die Bedürfnisse ihres Babys verstehen und erfüllen. Sie allein ist die wichtigste Bezugsperson und nur mit ihr ist ein Baby so wirklich verbunden, weil ja schon im Bauch und so. Erziehungsratgeber richten sich gerne mal nur an die Mutter. Artikel zum Thema Vätermonate entschuldigen die kurze Dauer gerne mal mit der Mutter, die ja nun einmal viel wichtiger ist und in Onlineforen, in denen völlig am Limit laufende Mütter sich gegenseitig trösten, entschuldigen dieselben Mütter die mangelnde Mitarbeit ihrer Männer damit, dass die das ja nun mal nicht können.

Bullshit

Männer haben nur ein anderes Geschlecht. Sie sind nicht grundsätzlich geistig oder körperlich behindert und daher unfähig Dinge zu lernen, die Babys so brauchen. Wenn Mutti die engste oder gar einzige echte Bezugsperson ist, ist das die logische Wirkung von viel Zeit, die die Mutter allein mit dem Baby verbringt. Es ist aber nicht die Ursache dafür, dass die Mutter zwingend zuhause bleiben muss. Ursache und Wirkung werden in diesem Kontext gerne mal verwechselt.

Alles was Frauen lernen, wenn sie Mutter werden, können Männer lernen, wenn sie Vater werden. Wenn sie die Zeit dafür bekommen bzw. sich nehmen! Klar, Windeln wechseln und ein unleidliches Baby durch die Gegend tragen, sind nicht die Highlights des Elterndaseins, aber wenn Papa sich da genauso durchkämpft wie Mama, wird er eine genauso enge Bezugsperson für den Nachwuchs sein. Im Ergebnis kann Papa dann nicht nur das gleiche Glück erfahren, wenn die kleinen Händchen sich nach ihm ausstrecken, das Köpfchen sich an die Brust kuschelt und ihm ein freudiges Glucksen entgegengeschmettert wird, sondern auch beim kranken Kind daheim bleiben, wenn die Elternzeit vorbei ist. Nebenbei eine unfassbar wichtige Sache die Männer für echte Gleichstellung tun können.

Aus Babys Perspektive ist es eben schnuppe, ob Mama oder Papa, Oma oder Opa, Adoptiv- oder Pflegeeltern, zwei Mütter oder zwei Väter, Elfen oder Orks oder sogar Golfspieler sich um es kümmern. Babys wollen Nahrung, trockene Hintern, ganz viel Kuscheln, das Gefühl, in Sicherheit zu sein und mindestens (!) eine enge Bezugsperson zu haben, auf die sie sich verlassen können.

Die moderne Vaterrolle definiert sich über das Engagement

Ich sehe es an meinem Mann. Und so toll ich diesen speziellen Mann auch finde, so mag ich mir dann doch nicht einbilden, er sei mit seiner väterlichen Lernfähigkeit extrem überdurchschnittlich begabt. Allerdings ist er überdurchschnittlich engagiert. Er kann unseren Sohn ebenso gut, oder manchmal auch ebenso schlecht, wie ich in seinen Bedürfnissen erkennen und befriedigen. Im Gegenzug ist er von dem Kleinen absolut im gleichen Maß wie ich als Fütterer, Indenschlafkuschler, Windelwechsler und vor allem Anlachzielperson akzeptiert. Ich könnte darauf jetzt eifersüchtig sein und in Maternal Gatekeeping verfallen. Ich kann aber auch dankbar sein, dass mein Kind lernt, dass es mehrere Menschen gibt, die ihn lieben und für ihn sorgen und hoffen, dass ihm das langfristig ein gesundes Urvertrauen und gute Bindungsfähigkeit gibt.

Die moderne Vaterrolle ist für die ganze Familie ein Gewinn

Zudem gibt es mir ein Stück Freiheit. Ich kann mich ohne das Baby mit Freundinnen oder meinen Kollegen treffen und muss mich nicht sorgen, dass es meinem Kind an etwas fehlt. Was mich zwar nicht davor bewahrt, dass mir mein kleiner Junge irgendwie fehlt, aber davor einen heimischen Lagerkoller zu bekommen und irgendwann einen RegrettingMotherhoodPost zu verfassen.

Ich komme also (schon wieder) zu dem Schluss, dass Elternzeit mit Vater für alle Beteiligten ein Gewinn ist. Okay, vielleicht bin ich mit meiner diesbezüglichen These etwas voreingenommen ans Experiment gegangen, aber bis jemand kommt und bei vergleichbarem Versuchsaufbau zum gegenteiligen Schluss kommt,  betrachte ich die Theorie als bewiesen.

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