Echte Elternzeit
Die kleinen und die ganz kleinen Dinge

Die kleinen und die ganz kleinen Dinge

Klappstuhlpoesie

Den Wellen zuschauen und ihrem Rauschen lauschen
Das Kind betrachten und seine Finger und Zehen zählen
Jedes einzigartig und schon millionenmal geschehen
Lass mich stehen bleiben und nochmal zusehen.

Den grauen Herren hab ich ihre Beute genommen
Bestens investiert und gute Rendite bekommen
Hab heute gar nichts getan und reichen Lohn erhalten
Lass mich Zeit noch oft so müßig verwalten.

Müßiggang

Wir sind jetzt seit zwei Wochen auf dem gleichem Campingplatz. Er ist schön. Kein Club Med, nicht Instastyleperfekt, kein Hat-die Welt-noch-nicht-gesehen…aber einfach schön. Wir sitzen rum, spazieren am Strand bis zum Restaurant, in dem es tolle Souflakis gibt oder flanieren die Auffahrt des Platzes entlang, die durch eine Olivenbaumplantage führt. Wenn wir es mal richtig aufregend wollen, radeln wir die ganzen weiten 5 Kilometer bis Gythio und futtern dort Vaflaki (die griechische Foodevolution hat aus Fleischstücken Waffeln gemacht und diese mit flüssiger Schokolade, Oreokrümeln und Eis garniert).

Vaflaki Foodporn

Hardcore-Urlaubing

Um uns herum jede Menge andere Wohnmobilisten oder auch auf instadeutsch Vanlifer, die kommen und gehen und uns von unzähligen anderen Orten auf dem Peloponnes berichten, die noch viel schöner sind als dieser hier. Wir schwanken ein wenig zwischen „Sollten wir da nicht auch mal hinfahren?“ und „Och ist doch schön hier“.

Bisherige Reisen waren geprägt von Reiseroutenplanung, langen Fahrten ohne Pause um „Strecke zu machen“ und in den gegebenen zwei Wochen Urlaub eben möglichst viel Urlaub unterzubringen. Selten hatten wir mal drei Wochen Urlaub und haben diese dann mit Fernreisen verbracht. Gerade wenn man sich 20 Stunden in eine fliegende Blechbüchse einsperren lässt, kommt man nicht weg vom Gedanken, dass sich das doch „lohnen müsse“.

Perspektivwechsel

Mit dem Wissen auf einer achtmonatigen Reise zu sein, ist das irgendwie anders. Vielleicht ist es aber auch gar nicht nur die fast unendliche Zeit , sondern auch der Perspektivwechsel durch ein Baby. Für V. ist ein Baum der im Wind schwankt, genauso neu und aufregend, wie für uns …mmh ja was eigentlich? Man hat ja so ziemlich alles schonmal gesehen. Strand, Sonnenuntergang, Olivenbäume.

Aber nicht diesen Strand, mit diesem tollem Stein der da liegt und genau dieser einen Welle, die da gerade anbrandet. Und hast du eigentlich diese Biene da gesehen, auf dieser unfassbar lilafarbenen Diestel? Und diese Ameisen da, was genau tun die mit dieser niedlichen kleinen Kakerlake? Diese winzigen grünen Bobbel werden mal schwarze Oliven? Oh guck mal was da auf dem Fahradlenker sitzt!

Naturfotografie

V. kann zwar noch nicht sprechen aber er kann gucken wie ein Weltmeister, er schaut sich die Augen aus dem Kopf als würde er mit ihnen nach den Dingen greifen wollen. Uns bleibt gar nichts übrig als ihm alles zu zeigen und zu benennen und zu erklären und zu hoffen, dass wir uns damit bei einem fünf Monate alten Baby nicht zum Löffel machen. Ich glaube das ist wirklich bestens investierte Zeit.

 

 

 

 

0 Gefällt mir

1 thought on “Die kleinen und die ganz kleinen Dinge”

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.