Echte Elternzeit
San Marino – Höhen und Tiefen

San Marino – Höhen und Tiefen

San Marino lässt uns ein wenig zwiegespalten von dannen ziehen.

Einiges ist umwerfend aber manches eher total bescheuert.

Aber von Vorn.

Flucht aus der Hochsaison

Man muss kein Genie sein, um sich denken zu können, dass im August an den Stränden Italiens die Hölle los ist. Heisst ja nicht umsonst Teutonengrill. In Griechenland lernten wir, dass jeder Italiener der kann, in den Ferienmonaten nach Kroatien oder Griechenland flüchtet und wer nicht kann schlägt Profit aus den Massen. Letzteres finde ich so ganz grundsätzlich ja nicht verwerflich aber persönlich sind mir um die 50€ pro Nacht auf einem Campingplatz dann doch zu hoch.

Unsere Idee war also uns von den Stränden eher fern zu halten und ausnahmsweise in die Berge zu fahren. Um Siena herum hatte es uns ja auch super gefallen obwohl kein Meeresrauschen zu hören war.

 

Campingplatz als Vorhof zur Hölle

 

Ganz ehrlich WARUM???

Warum beschallt man einen Swimmingpool in frenetischer Lautstärke mit AprésSki/ Ballermannmucke? Natürlich versuchen die Kids die Mucke zu übertönen und peitschen sich gegenseitig permanent hoch bis selbst die hyperengagierte Animateurin Mühe hat dagegen anzulächeln und die Muttis zur Wassergymnastik zu motivieren. Dafür bekommt sie Unterstützung per Lautsprecherdurchsage über den gesamten Platz. Klar auf italienisch, die Gäste sich ja überwiegend Deutsche und Niederländer. Die meisten Muttis haben aber schon keinen Bock auf Pool weil da Badekappenpflicht herrscht.

WARUM denn bloss???

Natürlich ist der Pool, der den ganzen Tag Mittelpunkt dieses Campinguniversums ist, immer dann geschlossen wenn müde Babyeltern Gelegenheit haben ihn zu nutzen. Also Morgens wenn der Zwerg das erste Frühstück verlangte, alle wach machte und dann nochmal eine Runde knackt. Oder Abends wenn endlich die Sonne nicht mehr so krass aufs Wasser bretzelt und man sich traut mit Sohnemann den Schatten zu verlassen.

Nunja wenn dann der Mann eine geschlagene dreiviertel Stunde in der Dusche eingesperrt ist, weil das Schloss kaputt ist und er erst mit einer Leiter befreit werden kann, dann reist man spätestens ab.

 

Ich weiß nicht ob wir allmählich reisemüde werden oder ob wir von tollen Campingplätzen verwöhnt sind aber wir sind dünnhäutig geworden gegen solche Nervfaktoren.  Statt wie geplant hier mindestens eine Woche zu bleiben recherchieren wir lange, ausdauernd und gründlich um einen Platz zu finden, der uns zur Ruhe kommen lässt. Wir wollen irgendwo mal wieder einfach SEIN.

 

San Marino Altstadt

Wenn wir nun aber schonmal hier sind, wollen wir uns wenigstens noch die Altstadt anschauen. Der Fluchtplan lautet also, frühmorgendliches Ausbrechen aus den Zäunen der Camperhölle, Besuch der Altstadt und direkte Weiterfahrt zur nächsten Station.

 

Die Altstadt liegt auf einem Berg, dem Monte Titano. Eben weil das so ist, ist dieser Zwergstaat seit etwa 1700 Jahren unabhängig. Wer die Felshänge sieht, dem ist völlig klar wie phantastisch die zu verteidigen sind. Hinauf gelangt man mit einer Seilbahn. Die Parkplätze dazu sind wunderbar ausgeschildert und es gibt sogar eigens für Wohnmobile einen extra großen. Ich denke man könnte da auch mal eine Nacht stehen, es gibt keine expliziten Verbotsschilder, wie an jedem einzelnem italienischen Parkplatz. Kostenlos ist er auch noch.

 

Die Fahrt mit der Seilbahn dauert nur ganz kurz aber der Ausblick ist schon Atemberaubend. Bis über Rimini ans Meer reicht die Aussicht.

Direkt von der Seilbahn fällt man in die Shoppingmeile. Da San Marino keine nennenswerten Steuern erhebt, gibt es hier vieles enorm günstig. Parfüm, Sonnenbrillen, Parfüm, Waffen, Parfüm, Alkohol, Parfüm und Parfüm – so in etwa reihen sich die Geschäfte aneinander. Das muss man wohl einfach ausblenden und sich auf die hübschen alten Gemäuer konzentrieren.

San Marino alte Gassen

Die Highlights sind natürlich die Türme.

San Marino Turm

Teilweise steht auch noch die Verteidigungsmauer auf der man entlangpatroullieren kann.

San Marino Wehrweg

Wobei diese aus der Perspektive von unten fast spannender ist.

San Marino Felsloch

San Marino mit Kinderwagen

Vom normalen Parkplatz aus gibt es einen Fahrstuhl zur Seilbahn.

Vom Wohnmobilparkplatz einen steilen Waldweg mit fünf Stufen am Ende. Mit Muckis zu machen. Die braucht man aber ohnehin, denn auch oben sind die Wege zwar bestens gepflastert, damals wurde noch für die Ewigkeit gebaut, aber steile Pfade sind es trotzdem.

Steile Pfade San Marino

Mit Wagen kommt man fast überall hin aber in die Türme hinein leider nicht. Der Eintritt dafür lohnt nicht, da drinnen Treppen in die Museumsteile führen.

Wir sind trotzdem froh uns diesmal noch gegen die Kraxe entschieden zu haben. Wir verbrachten doch einige Stunden da oben und so lange wollen wir den Kleinen noch nicht darin sitzen lassen. Im Wagen konnte er zwischendurch nickern und war zufrieden.

Ein bischen Geschichte

Ich habe eine kleine Vorliebe für Statuen schöne Frauen. Direkt am Ausgang der Seilbahn stößt man auf diese hier:

Statue San Marino

Die Inschrift darunter versteht man auch ohne Italienischkenntnisse, ein Gedenken an die Opfer des Bombardements 1944. Google half mir später zu lernen, dass San Marino im 2.WK offiziell neutral blieb aber dennoch ein Bombenhagel der Engländer hier hernieder ging. Dabei starben 60 Menschen. Nahezu erstaunlich wenige. Nachdem wir wieder unten sind, versuchen wir einen anderen Weg zum Parkplatz zu nehmen und gelangen in einen Tunnel. In diesem sind großformatige Bilder aufgehängt, die zeigen wie über 100.000 italienische Flüchtlinge in solchen Felstunneln lebten und Schutz fanden.

0 Gefällt mir

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.