Echte Elternzeit
Spotreview Vasiliki

Spotreview Vasiliki

Griechenland im Mai

Das Griechenland, was wir bisher durchfahren haben, scheint ein blinzelndes Dornröschen zu sein.

Halb schlafend noch im Winter verhaftet, halb wachend vom nahendem Tourismus wachgeküsst. Umgeben von Rosenranken die sich anschickten dem Land aufstrebende Schönheit des Wachstums zu schenken, jedoch mitten im Wuchs wurden die Blüten gekappt, noch bevor sie sich entfalten konnten.

Die Hälfte der Hotels und Tavernen ist noch geschlossen, die andere Hälfte wird herausgeputzt für die Heerscharen sonnenhungriger Westeuropäer, die bereits ihre Koffer packen. Dazwischen die Gerippe nie fertiggestellter Hotels, Markthallen und Wohnhäuser, deren Rohbauten bereits wieder überwuchert sind von genügsamen Pflanzen. Man scheint sich zu bemühen Dornröschens Schloss hübsch sauber zu halten aber für das penible deutsche Auge sind überall Schutt und Schrott zu entdecken, Fassaden blättern und Gehwege bröckeln. Ein leicht morbides Bild rustikalen Charmes, durchsetzt von zerplatzten Träumen des Aufschwunges, denen man so sehr einen neuen Anlauf wünscht.

Vasiliki als Surfspot

Vassliki gilt als einer der zehn besten Surfspots Europas, daher auserwählt als unser erstes Ziel mit dem Potenzial einer mindestens mehrwöchigen Station. Und wieder prallten Plan und Realität unvereinbar aufeinander. Der Thermikwind der diesen Spot ziemlich windsicher macht, entpuppt sich für Ostseesurfer als laues Lüftchen. Was hier zu hektischer Betriebsamkeit und eiligem Aufriggen führt, lässt uns noch nichtmal zucken. Dazu kommt, dass dieses Örtchen sich scheinbar vollständig auf All-Inklusive-Surfer eingestellt hat. Die Surfstationen die bereits geöffnet haben, gehören ausnahmslos zu Hotels, deren Gästen sie vollständig das fertig aufgeriggte Equipment durch hübsche wohlgeformte Surferboys und Beachgirls zum Wasser tragen lassen. Der Do-it-yourself-Surfer hat hier keinen Platz. Der einzige Campingplatz ist zwar sehr angenehm ruhig gelegen und Maulbeerbäume spenden Schatten, jedoch ist er weit weg vom Wasser. Mit viel rumgefrage liess sich nur eine Surfstation finden, die bereit war eigenes Equipment zu lagern, um es nicht jeden Tag den weiten Weg schleppen und alles auf- und abbauen zu müssen. Der Preis: stolze 40€ pro Woche für ein Board und ein Segel, wir wären also gut und gerne bei 100€ die Woche gelandet, um unser Zeug in Wassernähe zu lagen. Bei einem Typen, der seine Enttäuschung über die Ablehnung eines Anfängersurfkurses nicht verbarg.

Vasiliki für Nichtsurfer

Abgesehen vom Surfen scheint der Ort sich völlig den vermeintlichen Wünschen seiner Besucher unterzuordnen. Kulinarisch wähnt man sich mehr in England als in mediteranen Gefilden. Die ganz überwiegende Zahl der Lokale bietet englisches Frühstück und alle denkbaren Dinge zu Pommes an. Positiv stach ein kleiner Laden in der Souveniermeile heraus, in dem mir unter wirklich freundlicher und fachkundiger Beratung und Erläuterung einen Biowein der auf Lefkada hergestellt wird und ein fantastisches Olivenöl der Region verkaufte. Fast einen ganzen Tag verbrachten wir in der allseits empfohlenen Zeus Bar direkt am Hafen. Absolut chillig mit einem liebenswertem aufmerksamen Kellner, gutem Frappe (dem hiesigen In-Getränk) und schönem Ausblick über den Hafen, die Bucht mit den bunten Anfängersegeln und die dahinterliegenden Berge.

Vasiliki ist ganz bestimmt für Pauschaltouristen mit All-Inklusive-Erwartung und wenig kulinarischer Experimentierfreude ein tolles Urlaubsziel aber von uns bekommst du leider kein Foto.

Stop in Akrata Beach

Wir machen uns also auf dem Weg zur nächsten Surfempfehlung, diesmal unter vorheriger Prüfung ob ein Campingplatz auch wirklich am Wasser liegt. So allmählich würden wir die blassen Beine doch gerne mal ins Meer strecken. Als Sohnemann unleidlich wird und nicht länger fahren mag, steuern wir einen kleinen Campingplatz an der auf der Route liegt und landen einen Glückstreffer. Camping Akrata Beach ist in seiner Winzigheit irgendwie putzig aber der Betreiber hat einen gewinnenden Händedruck und serviert uns endlich etwas wirklich griechisches. Leider kann ich weder aussprechen noch niederschreiben was uns da kredenzt wurde aber es war fabelhaft!

 

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