Echte Elternzeit
3-2-1- START der Elternzeitreise

3-2-1- START der Elternzeitreise

Endlose To Do Listen

Vor fast einem Jahr malte ich auf dem Kalender meiner Schreibtischunterlage im Büro liebevoll farbige Kringel um das Datum des Beginns des Mutterschutzes, des errechneten Geburtstermins, und des Beginns unserer Elternzeitreise.

Akribisch mühte ich mich für meinen Elternzeitvertreter ein Dokument mit allen Informationen zu seinen Aufgaben und hilfreichen Hinweisen zu deren Bewältigung zu verfassen. Am Ende umfasste es zwar ansehlich viele Seiten aber ich musste gefühlt schon viel zu früh den Kuchen für meinen Ausstand backen, ich war definitiv noch nicht fertig mit der Übergabe. Wie auch kommen ja jeden Tag neue Aufgaben dazu, wenn man sich ein bischen Mühe gibt.

Vor dem Tag der Geburt wollte ich den Papierkram für die Ämter fertig vorbereitet haben und noch einige hübsche Bilder mit Murmelbauch machen. Beides nur in Ansätzen geschafft weil Knirps seinen Geburtstag nicht termingerecht mit Jesus teilen wollte und sich eilte eher dran zu sein, naja und weil Hormone mich umnachteten.

Nun endlich, nach schon um die zwei Monate Lagerkoller am heimischen Herd, sind die Impfungen  durch und wir dürfen aufbrechen. Obwohl V ein Anfängerbaby ist und wir dadurch absolut hinreichend verfügbare Zeit hatten, um Dinge zu erledigen und vorzubereiten, wurden die meisten Haken auf der ToDoList erst in den vergangenen beiden Tagen gesetzt. Dafür habe ich nicht die geringste Ausrede, ausser vielleicht eine gewissen Angst vor der eigenen Courage.

Was verdammt packt man alles ein???

Was werden die Dinge sein, die sich als unentbehrlich erweisen, um Knirps glücklich zu machen oder wenigstens am Leben zu erhalten?

Wir reden hier über fast acht Monate in verschiedenen Ländern und Jahreszeiten mit einem Baby was anfangs noch nichtmal sitzen kann und am Ende möglicherweise läuft. Allein die Überlegung welche Schuhe frau in dieser Zeit braucht, ist schon eine Herausforderung herkulischen Ausmaßes. Bei Kleidung fürs Kind steht ja nicht nur die Frage nach dem was im Raum, sondern vielmehr die Frage nach welchen Größen. Größen in Mehrzahl denn drei oder vier Konfektionsgrößen sind in der Zeit laut Babyapp durchaus drin und dank Freunden und Verwandschaft liegen ja locker die nächsten vier Größen in Kisten und Schachteln schon bereit. Also wurde in drei Größen eine Basisausstattung eingepackt.

 

Auch die eigene Kleidergröße steht zur Debatte. Streng genommen passen die wenigsten meiner Klamotten so wirklich gut. Ich hätte die Wahl den übrig gebliebenen Babybauch hinzunehmen, nix mitzunehmen und alles neuzushoppen oder vor allem Sportklamotten einpacken und hoffen in absehbarer Zeit wieder in alte Form zu finden. Es wurden reichlich Sportklamotten, shoppen in Italien muss aber trotzdem sein. Der Mann warf etwa drei Minuten lang scheinbar wahllos Kleidung in einer Kiste und war mit dem Thema für sich durch.

 

Mit Kleidung ist es ja aber nicht getan, eigentlich muss ein ganzer Hausstand mit. Dummerweise verfügt selbst unser Monsterwohnmobil „nur“ über 14 Quadratmeter und ist somit durchaus kleiner als unser Zuhause. Irgendwann verhandelt man recht hart miteinander was mitdarf. Um Wäschetrockner wurde eine nahezu epische Schlacht ausgetragen. Ich habe gewonnen….Obwohl ich hätte mich vielleicht geschlagen geben sollen, auf die Wäschespinnen verzichten und dafür auch das Waschen delegieren sollen um so richtig richtig zu gewinnen. Mein Luxusobjekt ist meine Nähmaschine, ich schätze ich werde nie wieder so viel Zeit für dieses Hobby haben wie in den nächsten Wochen, also musste die einfach sein. Ein ganzes eigenes Fach nimmt die Reiseapotheke ein, etwas gegen alles für Erwachsene und etwas gegen doppelt soviele Eventualitäten für Babys.

Mit Sackkarre wurden viele viele Kisten, Kästen und Ikeatüten ins Auto gebracht und dort in einer extrem realistisch anmutenden Tetrissimulation verstaut. Als die letze Socke ihren Platz gefunden hatte, blieb die Sicherheit noch diverses vergessen zu haben und noch wochenlang weiter packen zu können ohne ein Ende zu finden. Also Augen zu und… 3 – 2 – 1 – Start !!!

Der erste Stop

Zur Belohnung führte google uns, als Knirps genug hatte vom Kindersitz, im Dunkeln zu einem unspektakulär wirkendem Wohnmobilstellplatz. Am Morgen entpuppte sich das als toller Platz am See mit einem hübschen Strand, der in der Früh totale Ruhe innehatte und die perfekte Kulisse für ein tiefes Durchatmen war: JETZT geht sie wirklich los, diese unfassbar lange Reise ohne Termindruck und Detailplanung. Fast acht Monate ohne müssen und sollen, nur wollen und dürfen.

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