Echte Elternzeit
Wenn eine Tür sich schliesst

Wenn eine Tür sich schliesst

Wink des Schicksals in Tarifa

Ein wenig still war es im Blog. Plötzlich war das Ende dieser Elternzeitreise da und ich wollte genießen und konnte den Abschluss nicht in Worte fassen.

 

Anfangs dachten wir, wir werden nie heimkehren wollen. Vor allem befürchteten wir nie so wirklich freiwillig und gerne zurückzukehren. In Tarifa änderte sich das. Innerhalb einer Woche ist uns das Gas ausgegangen, haben wir unsere Schlüssel verloren und am allerschlimmsten die selbstgemachte Marmelade meiner Mutter war restlos aufgegessen. Ohne Gas sind wir nicht mehr autark und können nur mühsam mit einer Notkochplatte über Strom kochen. Nach dem Schlüsselverlust mussten wir unter skeptischen Blicken der Nachbarn ins eigene Wohnmobil einbrechen und haben nun fast wahnhaft Sorge den Zweitschlüssel auch zu verlieren. Ohne Marmelade ist die Frühstückswelt ganz schön grau. Ebenso grau wie das Wetter, welches von mitteldoof startete und stetig nasser wurde. So ein orkanartiger Sturm mit Regen wie aus Gießkanne der fast waagerecht gegen ein undichtes Fenster prasselt, ist mit Blick auf Tarifas Küste schaurig schön.

(Ein schöner oder zumindest trockener Tag war uns immerhin in Tarifa vergönnt, dazu hole ich den Beitrag noch nach.)

Baby in Tarifa

In Summe kein zarter Wink, sondern schon echt ein Zaunpfahlwedeln des Schicksals den Heimweg anzutreten.

Letzte Tage in Lissabon

Einen Höhepunkt zum Abschluss liessen wir uns aber nicht nehmen: eine meiner beiden besten Freundinnen besucht uns mit ihrer Tochter in Lissabon. Vier ganze Tage in dieser aufregend unbekannten Stadt.

(Diese Stadt verdient einen eigenen Beitrag, den ich die Tage noch schreiben werde.)

Der erste Flug des Travelbabys

Um den Kleinen nicht zu lange im Kindersitz einzusperren, sind wir bisher nie länger als zwei, maximal drei Stunden pro Tag gefahren. Für die Rückfahrt von 2800km würden wir so ganz schön lange brauchen. Dummerweise sind ausserhalb Spaniens die meisten Campingplätze im Winter geschlossen. Ohne Gas, sind wir aber auf Campingplätze angewiesen. Sonst funktioniert weder Heizung noch die Notfallkochplatte. Nach langem Überlegen haben wir uns entschlossen getrennt heimzureisen. Ich bin mit Sohn ab Lissabon geflogen, der Mann fährt mit dem Wohnmobil hinterher. Somit muss der Kleine nur einmal knapp vier Stunden stillsitzen und der Große kann jeden Tag so lange fahren wie er schafft.

Ein bisschen Schiss hatte ich definitiv vor dem Flug. Wird der Kleine Angst bekommen oder lauthals Meckern weil er nicht stillsitzen mag? Alles unbegründet. Da ich ihn morgens um fünf wecken musste, ist er im Flieger noch während des Steigfluges eingeschlafen. Ohrendruck hat ihn überhaupt nicht gejuckt. Als er wach wurde hat er noch hochkonzentriert die Schnallen der Gurte inspiziert, Kekse gefuttert und schon waren wir wieder im Landeanflug. Also Tip eindeutig :ganz früh am Morgen fliegen und die Müdigkeit ausnutzen!

 

Sich öffnende Türen

Tja, nun bin ich also wieder daheim und warte auf den Gatten. Unsere wundervolle Elternzeitreise ist vorbei. Eine großartige Zeit, die sicher zu den besten meines, unseres Lebens gehört. Ich merke ich grüble ein wenig nach. Was war besonders bedeutsam? Was würde ich ein nächstes Mal anders machen? Was empfehle ich von Herzen zur Nachahmung? Vielleicht brauche ich ein wenig Abstand für ein finales Fazit. Noch hadere ich mit dem Ende.

 

Nun wo sich diese Tür schließt, liegt aber gleich ein langer Flur mit neuen offenen Türen vor uns. Es wartet der erste Geburtstag unseres Sohnes und damit der Jahrestag der Geburt von uns als Familie. Kurz darauf ein ganz besonderes Weihnachtsfest, wie ich es mir schon lange wünsche. Mit der ganzen Familie, also meiner und der meines Mannes an einer großen Tafel in unserem Heim. Das neue Jahr wartet mit vielen neuen Aussichten. Wie wird wohl die Kita laufen?  Wie klappt der Widereinstieg in den Job bei uns beiden? Ein ganz neuer Alltag will eingegroovt werden. Neue Reisen wollen geplant werden. Viel anders als zuvor und soviel Neues

Ich mag Neues. Es sind so viele offene Türen, die uns einladen.

 

Vor allem werden wir unseren Sohn weiter beim wachsen begleiten dürfen. Noch dürfen wir seine Hand halten oder ihn auf Händen tragen und das genießen wir. Gerade fängt er an zu laufen, bald wird er alleine gehen und nur kurz darauf auch ohne uns in die Welt ziehen. Noch ist für ihn alles neu. Für ihn werden wir Türen öffnen oder auch eintreten. Er soll sich ausprobieren, sich finden und irgendwann entscheiden durch welche Türen er gehen will. Ich bin so gespannt darauf. All das wird immer noch Elternzeit sein. All das werden wir gemeinsam erleben.

 

Echte Elternzeit hört nicht nach einem Jahr auf.

Eltern werden wir für immer sein.

 

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